{"id":5628,"date":"2010-04-13T10:17:28","date_gmt":"2010-04-13T08:17:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sv-constantin-herne.de\/?p=5628"},"modified":"2021-12-29T20:38:04","modified_gmt":"2021-12-29T18:38:04","slug":"2-%c2%bd-aus-7-den-punkten-in-osterhausen-nachgehoppelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/?p=5628","title":{"rendered":"2 \u00bd aus 7: Den Punkten in Osterhausen nachgehoppelt"},"content":{"rendered":"<p><!-- @page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } --><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Meine ganz pers\u00f6nliche Turnierwelt<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Hallo liebe Schachfreunde,<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">wie Ihr ja mittlerweise mitbekommen habt, habe ich mich \u00fcber Ostern beim OSV 1887 <a href=\"https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/tk.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-28814\" src=\"https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/tk.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a>einquartiert. Sieben Runden CH-Turnier mit zwei Doppelrunden\u2026 aber kein Klagen jetzt &#8211; ich wollte es so! Wie sonst kann ich Kondition und Motivation besser testen, nachdem ich jahrelang auf Entzug von der Droge Schach war? Nun, es war wirklich ein tolles Erlebnis, zwischen Euphorie und Erm\u00fcdung, Erfolg und Niederlage, Adrenalinattacken und abchillen, drauf los ziehen und drauf los zicken, die Feiertage zu einem Event der anderen Art zu machen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Vorab gesagt: das konnte nur funktionieren, weil meine Familien funktionieren! Vielen Dank an meine Lieben f\u00fcr euer Verst\u00e4ndnis und eure Nachsicht!<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Ich hatte meinen Fotoapparat jeden Spieltag dabei und habe so auch alle Eindr\u00fccke f\u00fcr das sonst doch so schwache Ged\u00e4chtnis als St\u00fctze digital festgehalten. Ein Segen der Technik.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Nicht nur auf den rein schachlichen Schaupl\u00e4tzen habe ich gewonnen, nein \u2013 auch menschlich gab es Situationen der Bereicherung. So z. B. als bei dem \u00e4lteren Spieler neben mir aus der dritten Runde das Mobiltelefon deutliche Laute von sich gab. Der \u00e4ltere Spieler wollte sofort aufgeben, als der sehr junge Dirigent der andersfarbigen Steine entgegnete: Wir k\u00f6nnen doch einfach weiterspielen. Doch der \u00e4ltere Spieler bestand darauf, den Verlust der Partie einzufahren, denn so sind die Regeln. Das war f\u00fcr mich ein erster Hauch wirklicher Gr\u00f6\u00dfe, der ber\u00fchrte. Denn fair geht vor!<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Ich war morgens immer einer der ersten Spieler vor Ort. In der kleinen Kantine schl\u00fcrfte ich den frisch gebrauten Kaffee aus dem Pappbecher und gab mich dem morgendlichen smalltalk hin. Eines Morgens stand ein gro\u00dfer, \u00e4lterer, gepflegt und weltoffen aussehender Mann neben mir. Wir tauschten ein paar freundliche Worte aus \u2013 und auf einmal fuhr der Blitz in mich: Ich kenne ihn&#8230; woher? Dieser leichte Dialekt, dieses Lachen und der Wortwitz\u2026 und dann lichtete sich mein Nebel: Vlastimil Hort. Der Mensch, der mir zusammen mit Dr. Pfleger in meiner Jugend das <a href=\"https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/brett2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-28848\" src=\"https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/brett2-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/brett2-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/brett2-80x80.jpg 80w, https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/brett2.jpg 316w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Schachspielen in den achtziger Jahren nahegebracht hat. Boah\u2026 die \u00dcberraschung hinderte mich, ihn zu fragen, ob ich ein Foto von ihm machen d\u00fcrfte. Und so verblieb ich auch nicht l\u00e4nger, als mein morgendlicher smalltalk dauerte, in der \u201eCantina Alfredo\u201c. Sp\u00e4ter habe ich dann im Internet erfahren, dass ich zu Gast bei Vlastimils Verein bin. Schwache Recherche im Vorfeld!<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Apropos Recherche im Vorfeld. Dazu gleich mehr.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><strong>Erste Verluststellung: einfach geschlafen!<\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Meine erste Gewinnpartie konnte ich erst in der vierten Runde erreichen. Ich hatte mich in der zweiten Runde konditionell verausgabt, denn die Distanz ging \u00fcber 4,5 Stunden \u2013 und das im Anschluss an eine schlechte Partie am Vorabend. Dabei hatte ich zweimal Remis angeboten \u2013 wie auch zuvor in der Partie, doch mein Gegner trieb mich weiter in den Sog der Spielzeit und der br\u00f6ckelnden Kondition.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Ein Rundenturnier mit Fortschrittswertung bedeutet eben, dass die Partien der ersten Runde bei der Feinwertung eine h\u00f6here Gewichtung haben, als die letzten. Also werden die Klingen in den ersten Runden mit viel mehr Schwung und Kraft gekreuzt.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Letztlich f\u00fchrte meine Verausgabung zu einer Fehleinsch\u00e4tzung \u2013 ich verschenkte zwei Bauern, die schwabbelige Qualle trocknete aus und die Partie ging den Bach hinunter. Der Preis der schlechten mentalen und konditionellen Vorbereitung. Klaus, mein Gegner dieser Partie gestand mir dann sp\u00e4ter ein, dass auch er nachmittags die Strapazen dieser Partie gemerkt hatte.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.sv-constantin-herne.de\/wp-content\/uploads\/OOO Runde 2-1(3).jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"330\" align=\"left\" hspace=\"3\" vspace=\"3\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.sv-constantin-herne.de\/wp-content\/uploads\/OOO Runde 2-2(3).jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"330\" align=\"right\" hspace=\"3\" vspace=\"3\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Zun\u00e4chst eine Wohlf\u00fchl-Stellung\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 dann den Bogen \u00fcberspannt<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Und das war die erst die Vormittagsrunde\u2026 Nachmittags wurde es schlimmer. Ich war schlafreif, die Sonne schien mir am Brett schr\u00e4g in die Augen (von wegen Fensterplatz reservieren &#8211; \u00fcberlegt Euch das bitte gr\u00fcndlich) und dann bekam ich schon wieder die schwarzen Steine. Total angefressen begann ich in Gedanken zu zicken:<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><em>Schon wieder DWZ 1800+ Mein Gegner geht bestimmt wieder nicht auf Remisangebote ein. Wieder \u00fcber vier Stunden Gehirnschmalz f\u00fcr N\u00fcsse. Wozu mache ich das hier eigentlich? \u2013 Du musst das hier nicht tun! Dazu zwingt Dich keiner. Schlaf Dich doch aus!<\/em><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Mein tiefster Punkt im Turnier.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Ich war bereits von meiner Kondition und meiner Einstellung im Vorfeld besiegt.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Und richtig: Ich er\u00f6ffnete erst ein Budapester, dann aber zog ich die Stellung im Blitzstil kaputt, hackte die Dame fr\u00f6hlich zur Mattabwehr gegen einen Springer und war froh, dem Gegner nach gut 20 Min. endlich die erl\u00f6sende Unterschrift geben zu k\u00f6nnen. Ich war keine zehn Minuten zu Hause, da bin ich auch schon eingeschlafen. Aber glaubt mal nicht, dass ich von irgendetwas in schwarz und wei\u00df getr\u00e4umt h\u00e4tte. Von wegen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Am n\u00e4chsten Tag habe ich dann noch mal meinen letzten Gegner angesprochen und ihm erkl\u00e4rt, warum er nicht in den Genuss einer sch\u00f6nen Partie gekommen ist. Die Art und Weise zu spielen war ja nicht nett von mir\u2026. das war schon eine Erkl\u00e4rung wert.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Daf\u00fcr habe ich aber gelernt, wie wichtig Kondition und mentale Fitness ist. Und in der n\u00e4chsten Runde habe ich genau das gemacht, was ich vorher gelernt habe: Die Partie bis zum Ende der Zeit spielen, remis ablehnen und Gewinnversuche unternehmen oder Remisversuche unternehmen lassen. Dabei selber nicht aus der Ruhe bringen lassen, sich selbst nicht unter Druck setzen (das sagt sich echt leicht, wenn man bereits drei Nullen eingefahren hat und mit dem Vorletzten der Teilnehmerliste gepaart wird). Naja, es gelang mir \u2013 gegen die negativen Energien aufzubegehren \u2013 Oooommmmm\u2026\u2026..<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Und tats\u00e4chlich f\u00fchrte der Gegner, nachdem ich ihm zweimal das remis verweigerte, dann einen Zug mit Tempoverlust aus, der das Endspiel f\u00fcr mich angenehmer gestaltete, dann sah er wohl Gespenster und gab die Kontrolle \u00fcber Einbruchsfelder auf. Anschlie\u00dfend sprachen wir noch \u00fcber die Partie und ich half ihm, L\u00fccken in seiner Notation zu schlie\u00dfen. Endlich habe ich erste Fr\u00fcchte geerntet. Nur die Konzentration auf die Partie und die Fixierung auf das Brett, auf mein Wissen und Selbstvertrauen haben letztlich Erfolg beschert.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.sv-constantin-herne.de\/wp-content\/uploads\/OOO Runde 3.jpg\" alt=\"\" width=\"316\" height=\"316\" align=\"left\" hspace=\"3\" vspace=\"3\" \/><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><strong>In zweierlei Hinsicht ein Durchbruch<\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Am n\u00e4chsten Tag verteidigte ich mich mit Damengambit gegen einen aufstrebenden und Erfolg versprechenden jungen Spieler. Doch mein Antagonist setzte den Minorit\u00e4tsangriff nicht energisch genug gegen mich ein. Es gelang mir, einen Springer auf c4 zu postieren, der dann einen gedeckten Freibauer nach sich zog. Trotzdem spielte auch ich ungenau, aber auch hier setzte ich mich nicht mehr unter Druck. Das Remis w\u00e4re eigentlich f\u00fcr mich schon ein netter Erfolg. Letztendlich f\u00fchrte eine Ungenauigkeit dazu, dass ich Grundreihenmatt drohen konnte, dem sich mein Gegner auch nach Schlagabtausch nicht entziehen konnte.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Ein, zwei mal sah ich bei meinem Gegner ein verstecktes G\u00e4hnen. Was ein verr\u00e4terisches Indiz. Ja, ja! W\u00fcrde die \u201efehlende Kondition\u201c als Gegner ausgewertet\u2026<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Witziger Weise stellten wir beide Kontrahenten nach der Partie fest, dass wir uns am Abend vorher intensiv gegenseitig mittels Internet durchleuchtet haben. Christian hatte ver\u00f6ffentlichte Partien von mir studiert und mich als Pausierer enttarnt, wogegen ich seine schachliche Vitae genauestens betrachtet habe und seine Turniere, \u2013erfolge und Leistung kannte. Das war f\u00fcr uns beide und seinen begleitenden Trainer eine humorvolle Erkenntnis. Abschlie\u00dfend haben wir uns dann im Analyseraum niedergelassen und diesen Film Revue passieren lassen, nicht ohne dabei neue Erkenntnisse im Kreise weiterer Schachfreunde zu gewinnen. Wieder einmal nette Menschen kennen gelernt.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.sv-constantin-herne.de\/wp-content\/uploads\/OOO Runde 5.jpg\" alt=\"\" width=\"316\" height=\"316\" align=\"left\" hspace=\"3\" vspace=\"3\" \/><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><strong>Schwarz am Zug: Gewinn<\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Am Anfang des Turniers traf ich auf Andreas, der sich aus der N\u00e4he von Worms aufgemacht hatte, sich einiger Turnierpunkte zu bem\u00e4chtigen. Er war \u2013 wie ich \u2013 viel zu fr\u00fch am Austragungsort. Und irgendwie stimmte es zwischen uns, wir kamen ins Gespr\u00e4ch und wurden \u00fcber die Dauer des Turniers zu intensiven Gespr\u00e4chspartnern, die es verstanden auch mal abseits des Schachs Gespr\u00e4chsthemen zu finden. Eine nette Anekdote, die ich immer wieder gerne h\u00f6rte, entstammte aus seinem Spiel in der ersten Runde. Die Uhr entschied mit 16 Sekunden weniger gegen ihn. Am\u00fcsant daran war seine anschlie\u00dfende Feststellung, dass \u201eein Meister die Partie auch K\u00f6nig gegen K\u00f6nig gewinnen wird\u201c. Die Anekdote entwickelte sich zu einem running gag, den ich wenigstens einmal am Tag zu h\u00f6ren bekam. Sch\u00f6ner Galgenhumor.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Kurz vor Runde sechs kam Andreas zu mir und sagte, dass der Aushang der n\u00e4chsten Runde abgenommen wurde. Die Auslosung war nicht in Ordnung. Was meinte Andreas? Wir sollten gegeneinander spielen \u2013 an Brett 59.<br \/>\nOK, das war nicht der wirkliche Grund, aber: Das ging ja gar nicht!<br \/>\nAber so kam es ja auch nicht.<br \/>\nEine neue Paarung der Runde war ausgedruckt und wurde angebracht. Wir hatten dann an Brett 60 gegeneinander zu spielen.<br \/>\nWir schauten uns an und schmunzelten. Wie sollte das enden. Nun, wir waren uns einig, dass wenn einer von uns einen kapitalen Fehler machen w\u00fcrde, wir die Partie gnadenlos bis zur Aufgabe spielen w\u00fcrden. Soviel Sportgeist muss sein. Andererseits waren wir beide auch darauf aus, mindestens einen halben Punkt zu ergattern. Also spielten wir los. Andreas feilte an einem elastischen Hippopotamus-Aufbau und war bereit, mit Sprengungsz\u00fcgen an den Flanken mein nettes Zentrum zu kompromittieren. Und so kam es auch. Schlie\u00dflich entstand ein K\u00f6nigsinder, in dem er -die eigene Rochade verz\u00f6gernd- darauf wartete, dass ich in mein (kurzes) wei\u00dfes Rochadeungl\u00fcck rochiere.<br \/>\nDoch gl\u00fccklicherweise hatte ich als gute-Nacht-Lekt\u00fcre Botwinniks zweiter Methode kennen gelernt, die den Vorsto\u00df f5 durch h2-h4-h5 entkr\u00e4ftet. Ohne direkte Angriffschancen auf beiden Seiten verflachte sich das Spiel und dann kam der Punkt, an dem wir es f\u00fcr besser hielten, sich auf ein freundschaftliches Ende einzulassen und unsere Kondition f\u00fcr die n\u00e4chste Runde aufzusparen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Am n\u00e4chsten Tag brachte ich dieses Lehrbuch mal mit, aus dem ich dieses Man\u00f6ver erlesen hatte. Simon, ein junger Schachfreund aus Duisburg fand Gefallen an dem Buch und notierte den Titel. Simon sa\u00df im Turnier bei Punktegleichheit neben mir, da wir in der Ratingtabelle direkt hintereinander gef\u00fchrt wurden. So blieb es nicht aus, dass auch wir in der spielfreien Zeit Am\u00fcsement in der Analyse oder Gespr\u00e4chen suchten.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Mein letzter Gegner sollte so eine richtige \u201eTurnierkampfsau\u201c werden. Mein Alter \u2013 aber mit \u00fcber 160 DWZ-Auswertungen, dabei regelm\u00e4\u00dfig etwa zehn Wertungen in jedem der letzten drei Jahre: Post Open, Volme Open, Gro\u00dfenbaum, Ruhrhalbinsel\u2026 usw. Den habe ich v\u00f6llig falsch beurteilt.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">In der letzten Runde setzte ich dann ein Caro-Kann standesgem\u00e4\u00df in den Sand. Tja, mit dem positionellen Zeugs habe ich ihm voll zugespielt, was die sp\u00e4tere Analyse zeigte. Es war zwar nett, zw\u00f6lf Z\u00fcge Theorie in weniger als 1 min herunter zu blitzen(das Repertoire versteigere ich besser ab 1 Euro bei ebay), aber ein aggressives Kontern w\u00e4re das gewesen, was mir im nach herein mehr Spielspass gebracht h\u00e4tte. Es zeigte sich, dass mein letzter Gegner mit aggressiver Spielweise weniger vertraut war. In der fortgeschrittenen Analyse wollte er immer den Bauern nehmen, w\u00e4hrend ich mir sagte: Ich will lieber die Initiative. That\u2019s life!<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Am Rande des Spielgeschehens gibt es noch weitere nette Momente, die ich erhaschen durfte. So habe ich in Runde sechs nicht nur den remislichen Handschlag zwischen GM Schebler und FM Menacher erlebt und als Foto eingefangen, es gab noch mehr zu sehen!<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">W\u00e4hrend sich die Kibitze wie ein Heuschreckenschwarm sofort auf die n\u00e4chste offene Partie zu bewegten, verharrte ich noch hinter der Absperrung und beobachtete, wie die beiden Meister die Partie besprachen. Sie tauschten sich aus: Wie weit \u2026 und was an Varianten in der Stellung berechnet wurde. Fingerzeige auf dem Brett\u2026 Blickkontakte und verstehende Blicke. Davon habe ich eine kleine Fotostrecke gemacht. Einfach beeindruckend.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Zu guter Letzt \u2013 last but not least- habe ich zweimal mit Georg Waldschmidt ein doch nicht zu kurzes Gespr\u00e4ch gef\u00fchrt. Er ist ein sympathischer, sehr guter Spieler unseres befreundeten Schachvereines SK\u00a0Sodingen, wirklich nicht weiter als einen symbolischen Steinwurf von unserem Vereinsstandort entfernt. Er stand pl\u00f6tzlich nach dem Ende der vierten Runde an meinem Brett und ich sprach ihn an: \u201eDu bist doch der Georg Waldschmidt\u2026\u201c. Nach einem freundlichen Hallo folgte dann ein Austausch \u00fcber alte Zeiten. Ja, es ist eine lange Zeit her, dass wir uns gesehen hatten. Bestimmt so an die drei\u00dfig Jahre. Garantiert gef\u00fchlte drei\u00dfig Jahre. Ich erinnere mich noch an Mannschaftsk\u00e4mpfe und eine Herner Stadtmeisterschaft, an der ich damals in Sodingen teilgenommen hatte. Das waren meine \u201eguten alten Zeiten\u201c.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Umso mehr freue ich mich, vertraute Gesichter wieder gesehen und neue kennen gelernt zu haben. Auf diesem Turnier habe ich vielgelernt. \u00dcber Kondition, mentale Einstellung, Fairness, Kampfwillen und Motivation, \u00fcber alte und neue Freundschaft.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Es gab einen Moment, da f\u00fchlte ich mich wie zu Hause.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">Herzlich willkommen nach jahrelanger Spielpause!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine ganz pers\u00f6nliche Turnierwelt Hallo liebe Schachfreunde, wie Ihr ja mittlerweise mitbekommen habt, habe ich mich \u00fcber Ostern beim OSV 1887 einquartiert. 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