{"id":31388,"date":"2023-01-02T17:57:37","date_gmt":"2023-01-02T15:57:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/?p=31388"},"modified":"2023-01-03T15:43:25","modified_gmt":"2023-01-03T13:43:25","slug":"generation-chess-wie-das-schachfieber-beim-oldie-ruedi-meier-jahrgang-1935-neu-entflammt-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/?p=31388","title":{"rendered":"Generation CHess \u2013 wie das Schachfieber\u00a0beim Oldie Ruedi Meier (Jahrgang 1935) neu entflammt wurde"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><i>Markus Angst <\/i>\u2013 <strong>Im Verlauf seines abwechslungsreichen Lebens kam Ruedi Meier zwar ab und zu in Kontakt mit Schach. Richtig gepackt hat es den <\/strong><strong>r\u00fcstigen Senior mit Jahrgang 1935 aus Winkel im Kanton Z\u00fcrich aber erst im vorletzten Jahr. Da besuchte er einen vom Schachclub Chessflyers angebotenen Kurs und trat gleich dem Verein und dem Schweizerischen Schachbund bei. <\/strong><\/p>\n<p>\u00abMit 66 Jahren, da f\u00e4ngt das Leben an\u00bb, lautet ein bekannter Song von Udo J\u00fcrgens. \u00abMit 86 Jahren, da f\u00e4ngt das Schachleben an, und man hat viel Spass daran\u00bb, kann man den Text des bekannten Entertainers auf Ruedi Meier adaptieren. Denn erst in diesem stolzen Alter entflammte bei ihm das Schachfieber.<\/p>\n<h3><strong>Mit der Swissair in die weite Welt<\/strong><\/h3>\n<figure id=\"attachment_66421\" class=\"wp-caption alignleft\" aria-describedby=\"caption-attachment-66421\"><a class=\"fancybox image\" href=\"https:\/\/www.chess-international.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Meier-R-22-2-web.jpg\" rel=\"gallery\" aria-controls=\"fancybox-wrap\" aria-haspopup=\"dialog\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-66421\" src=\"https:\/\/www.chess-international.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Meier-R-22-2-web.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" srcset=\"https:\/\/www.chess-international.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Meier-R-22-2-web.jpg 350w, https:\/\/www.chess-international.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Meier-R-22-2-web-300x214.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"250\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-66421\" class=\"wp-caption-text\">Ruedi Meier: \u00abIm Verein kann man mit Kollegen verschiedenster St\u00e4rken spielen, sie um Rat fragen, sein Spiel st\u00e4ndig verbessern und neue freundschaftliche Kontakte kn\u00fcpfen.\u00bb<\/figcaption><\/figure>\n<p>hinauszuziehen, um dort zu arbeiten und Sprachen zu erlernen. Welche andere Firma w\u00e4re geeigneter gewesen, seinen Bubentraum zu verwirklichen als die Swissair?<\/p>\n<p>\u00abAls in den 40er-Jahren die kleinen Flugzeuge mit Kolbenmotoren von Kloten nach Genf flogen, konnte ich sie gut sehen und h\u00f6ren, denn sie flogen genau \u00fcber unseren Wohnort\u00bb, erinnert sich Ruedi Meier. \u00abMein Vater sagte, dies sei die Swissair, die da oben irgendwohin fliege. Sie transportiere wohl wichtige und reiche Leute. Nach der Schule und zwischen den Hausaufgaben bin ich immer und immer wieder nach draussen gegangen und habe nach Flugzeugen Ausschau gehalten. Sie faszinierten mich. Es gab immer mehr Flugzeuge, die \u00fcber Schenkon flogen \u2013 und je \u00e4lter ich wurde, desto mehr wuchs in mir der Wunsch, einmal f\u00fcr jene Leute zu arbeiten, denen diese Flugis geh\u00f6rten.\u00bb<\/p>\n<h3><strong>Schachpartien mit Seppi im Tea-Room<\/strong><\/h3>\n<p>1957 wurde sein Traum wahr, und er bekam einen Job bei der Swissair. \u00abGleich zu Beginn bewarb ich mich f\u00fcr das Ausland und wurde entsprechend ausgebildet. Bis zu meinem ersten Transfer nach New York musste ich Englisch lernen. Zusammen mit meinem Luzerner Kollegen Seppi Imbach besuchte ich die <a href=\"https:\/\/www.hullschool.ch\/de\/?gclid=EAIaIQobChMIqKmN6cKo_AIV2eZ3Ch0RKwAEEAAYASAAEgLOrPD_BwE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hull\u2019s School in Z\u00fcrich<\/a> \u2013 eine Institution, die \u00fcbrigens noch heute existiert \u2013 f\u00fcr ein Intensiv-Training. Nach dem Unterricht suchten wir jeweils in der N\u00e4he ein Tea-Room auf, f\u00fcr einen Schwatz \u2013 und noch f\u00fcr etwas anderes\u2026! Seppi fragte mich: \u2018Spielst Du Schach?\u2019 \u2018Was ist das genau?\u2019, fragte ich ihn, denn ich hatte \u2013 ehrlich gesagt \u2013 keine konkreten Vorstellungen von diesem Spiel. \u2018Kein Problem, Ruedi, das lernst Du schnell\u2019, war seine Antwort.\u00bb<\/p>\n<p>Das Tea-Room war bekannt daf\u00fcr, Schach-Sets zum Spielen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Also spielten Ruedi und Seppi zwei bis vier Partien pro Monat und das w\u00e4hrend gut eines Jahres bis zur ersten Versetzung. Danach folgten rund 30 Jahre Auslandaufenthalt mit Arbeitsorten in verschiedenen Kontinenten. W\u00e4hrend dieser langen Zeit fokussierte sich Ruedi Meier auf seine berufliche Karriere und die Familie mit drei Kindern.<\/p>\n<p>\u00abSchach war f\u00fcr mich weit weg. Die berufliche Weiterbildung stand im Vordergrund. Etwas \u00fcberraschend und als h\u00e4tten sie gewusst, dass ich fr\u00fcher einmal Schach gespielt habe, schenkten mir meine Mitarbeiter(innen) anl\u00e4sslich meines Abschieds in Hongkong ein faltbares Schach-Set aus Mahagoni-Holz und Figuren aus Elfenbein. Dieses wunderbare Geschenk fand dann rasch einen geeigneten Platz im B\u00fcchergestell.\u00bb<\/p>\n<h3><strong>Ein Familienbesuch mit (schachlichen) Folgen<\/strong><\/h3>\n<p>Als Ruedi Meier, welcher der SAirGroup in verschiedenen Kaderpositionen 46 Jahre lang treu blieb und nach der Pensionierung als Projektleiter in Bolivien, Bangladesch und Argentinien im Einsatz f\u00fcr swisscontact (die Bundesstelle f\u00fcr Entwicklungshilfe) und Caritas wirkte, weit \u00fcber 80 war, bekam er eines Sonntags Besuch einer befreundeten portugiesischen Familie nachmittags zu Kaffee und Kuchen. \u00abDeren J\u00fcngster, der siebenj\u00e4hrige Dinis, entdeckte das Schachset im B\u00fcchergestell und forderte mich sogleich auf, mit ihm Schach zu spielen.\u00bb<\/p>\n<p>Dinis\u2019 Wunsch kam f\u00fcr Ruedi Meier so unerwartet wie ein Sechser im Lotto, \u00abdenn ich wollte doch nur mit unseren Freunden plaudern und Kaffee trinken. Aber Dinis war ein so sympathischer und \u00fcberaus interessierter Junge, dass ich nicht anders konnte. Er verriet mir dann auch bald, dass er noch nie Schach gespielt, jedoch schon davon geh\u00f6rt h\u00e4tte. Ich erkl\u00e4rte ihm, wie die Figuren aufgestellt werden und merkte dann etwas sp\u00e4ter, dass ich die L\u00e4ufer dort platzierte, wo die Springer hingeh\u00f6rten und umgekehrt\u2026! Was ich damals mit Seppi lernte, war nach mehr als 60 Jahren zu einem guten Teil vergessen gegangen.\u00bb<\/p>\n<p>Aber die Initiative von Dinis war nicht umsonst. Denn an jenem Abend besprach sich Ruedi mit seiner aus Argentinien stammenden Frau Maria Elena, mit der er seit 45 Jahren verheiratet ist, was er f\u00fcr Dinis noch machen k\u00f6nnte. \u00abIhm Unterricht erteilen, das ging noch nicht \u2013 jedenfalls im Moment nicht. Aber ich k\u00f6nnte einem Schachklub beitreten, um besser spielen zu lernen. Dann w\u00e4re es m\u00f6glich, Dinis zu trainieren.\u00bb<\/p>\n<h3><strong>Ein herzlicher Empfang bei alten Kollegen<\/strong><\/h3>\n<p>Aber welcher Klub? Ruedi Meier erinnerte sich an die \u00abSwissair-News\u00bb, in der periodisch Resultate der Chessflyers publiziert wurden \u2013 etwa wenn das erfolgreiche Team unter der Leitung von J\u00fcrg Baumann in Bangkok gegen die Kollegen von Thai Airways spielten. \u00abAlso klopfte ich beim Pr\u00e4sidenten der <a href=\"https:\/\/www.chessflyers.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Chessflyers<\/a> an, glaubte ich doch, dort noch bekannte Gesichter zu treffen. Und so war es dann auch. Das waren enorm sch\u00f6ne Momente. Inzwischen ist die portugiesische Familie weggezogen, aber anstelle von Dinis trainiere ich jetzt meinen achtj\u00e4hrigen Enkel Flurin.\u00bb<\/p>\n<p>Ruedi Meier besuchte 2021 den \u00abSchach f\u00fcr alle\u00bb-Kurs und erinnert sich noch gut daran, wie herzlich ihn der damalige Vereinspr\u00e4sident J\u00fcrg Baumann, dessen Name in der Swissair ein Begriff war, bei den Chessflyers in Kloten als Neumitglied des Vereins willkommen geheissen hat. \u00abMein Ziel war, mir die n\u00f6tigen Kenntnisse mit viel Spielpraxis anzueignen. J\u00fcrg nahm mich unter seine Fittiche und baute mich schrittweise auf. Sein Engagement f\u00fcr mich war so \u00fcberraschend wie beeindruckend. Es war genau diese Zeit, in der in mir das Feuer f\u00fcr das k\u00f6nigliche Spiel neu entflammte, und daf\u00fcr bin ich ihm von Herzen dankbar. Aber auch Peter Ridolfi, Pr\u00e4sident des im letzten Oktober leider aufgel\u00f6sten <a href=\"http:\/\/www.schachclub-embrach.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schachclubs Embrach<\/a>, liess keinen Moment aus, um mit mir Partien mit eingebauten Erkl\u00e4rungen zu spielen. Auch Roman Staub (Winkel 60plus) hat Anteil an meiner wiedergewonnenen Freude am Schach \u2013 wie auch viele meiner ehemaligen Swissair-Kollegen.\u00bb<\/p>\n<p>Auch Ruedi Meiers Familie nahm Anteil an seiner wiedergewonnenen Freude am Schach. \u00abG\u00e4nzlich unerwartet schenkte mir mein \u00e4ltester Sohn im entfernten Ausland auf die vorletzte Weihnachten einen Schachkurs bei der <a href=\"https:\/\/www.schachschule-regez.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schachschule Markus Regez<\/a>\u00a0\u2013 eine exzellente Institution, die ich nur empfehlen kann.\u00bb<\/p>\n<h3><strong>\u00abDie Fortschritte befeuern mich\u00bb<\/strong><\/h3>\n<p>In der Vereinsmitgliedschaft sieht Ruedi Meier mehrere Vorteile: \u00abMan kann mit Kollegen verschiedenster St\u00e4rken spielen, sie um Rat fragen und so sein Spiel st\u00e4ndig verbessern. Zudem kn\u00fcpft man auch im hohen Alter neue freundschaftliche Kontakte.\u00bb<\/p>\n<p>Und er verbesserte seine Spielst\u00e4rke laufend. \u00abIch f\u00fchle, dass es vorw\u00e4rts geht. Ich gewinne heute gegen Vereinskollegen, gegen die ich vor einem Jahr noch verloren habe. Meine Kameraden best\u00e4tigen mir diesen Fortschritt und das befeuert mich, noch besser zu werden. Es sind nicht die grossen Schritte, aber es gibt sie \u2013 die kleineren halt, und das passt zu mir und macht mir enorm Freude.\u00bb<\/p>\n<p>Noch sieht man Ruedi Meier nicht bei Einzelturnieren oder in der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft (SMM). \u00abDoch wenn ich es schaffe, ein entsprechendes Niveau zu erreichen, dann w\u00fcrde ich gerne Turniere spielen. Denn im Sport will man sich mit anderen messen und weiss dann, wo man steht. Jeder Wettkampf hat seinen ganz speziellen Reiz. Das ist im Schach nicht anders.\u00bb<\/p>\n<h3><strong>\u00abNur wenn die Gehirnzellen gebraucht werden, bleiben sie aktiv\u00bb<\/strong><\/h3>\n<p>Es war schon immer Ruedi Meiers Ding, sich Ziele setzen, um vorw\u00e4rtszukommen. \u00abDas mache ich auch im Schach so. Im Moment habe ich mir vorgenommen, das erreichte Spielniveau zu stabilisieren.\u00bb<\/p>\n<p>Ruedi Meier ist \u00fcberzeugt, dass beim Schach wichtige pers\u00f6nliche F\u00e4higkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration und Ausdauer trainiert werden. \u00abDie Gehirnzellen sterben in Alter langsam ab. Nur wenn sie gebraucht werden, bleiben sie aktiv. Deshalb sehe ich im regelm\u00e4ssigen Schachspiel auch einen gesundheitlichen Vorteil.\u00bb<\/p>\n<p>Leider war es just eine gesundheitliche Odyssee, die ihn im vergangenen Jahr etwas ausbremste. \u00abIch musste meine Aktivit\u00e4ten allgemein wie auch das Schachspiel um die H\u00e4lfte herunterfahren. Doch ich freue mich auf 2023 \u2013 denn ein einmal entflammtes Feuer erlischt nicht so schnell.\u00bb<\/p>\n<p><em>Lesen Sie <a href=\"https:\/\/www.swisschess.ch\/generation-chess.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> mehr \u00fcber Generation CHess, die Mitgliedergewinnungs-Aktion des Schweizerischen Schachbundes (SSB).<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Markus Angst \u2013 Im Verlauf seines abwechslungsreichen Lebens kam Ruedi Meier zwar ab und zu in Kontakt mit Schach. 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