{"id":17006,"date":"2017-07-12T15:24:57","date_gmt":"2017-07-12T13:24:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sv-zeppelin.de\/?p=17006"},"modified":"2019-07-20T22:04:55","modified_gmt":"2019-07-20T20:04:55","slug":"das-majestaetische-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/?p=17006","title":{"rendered":"Das majest\u00e4tische Spiel"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong>Schach ist uralt, aber gerade bei jungen Leuten so beliebt wie selten zuvor. Denn Hobbyspieler wie Gro\u00dfmeister schulen mit seinen komplexen Z\u00fcgen ihr logisches Denkverm\u00f6gen. Dabei m\u00fcssen selbst Schachweltmeister inzwischen vor Computerprogrammen kapitulieren.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wiege des Schachspiels liegt irgendwo im fernen Osten.<a href=\"http:\/\/www.sv-zeppelin.de\/?attachment_id=17000\" rel=\"attachment wp-att-17000\"><br \/>\n<\/a>Die meisten Forscher gehen von Indien als Ursprungsland aus. Manchmal wird auch China genannt. Das Spiel der K\u00f6nige, wie wir es heute kennen, hat sich irgendwann in den ersten Jahrhunderten nach Christus entwickelt.<br \/>\n<strong>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<a href=\"http:\/\/www.sv-zeppelin.de\/?attachment_id=17000\" rel=\"attachment wp-att-17000\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-17000\" src=\"http:\/\/www.sv-zeppelin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/chess-2313254__340-300x160.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/chess-2313254__340-300x160.jpg 300w, https:\/\/www.sv-zeppelin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/chess-2313254__340.jpg 637w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <\/strong><\/p>\n<p>Der K\u00f6nig war verwundert. Nur ein paar Reisk\u00f6rner wollte der Mann als Belohnung f\u00fcr seinen Zeitvertreib, den der dem Herrscher gezeigt hatte. Dabei gefiel dem K\u00f6nig das Spiel mit den 32 Figuren auf 64 schwarz-wei\u00dfen Feldern so gut, dass er bereit war, gro\u00dfz\u00fcgig zu sein. Und jetzt das: \u201eEin Reiskorn auf das erste Feld, zwei K\u00f6rner auf das zweite und auf jedes weitere Feld stets die doppelte Anzahl an K\u00f6rnern als im vorherigen Feld\u201c, lautete der Wunsch seines Untertanen. Soweit die Legende zu den Urspr\u00fcngen des Schachspiels.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAm Ende w\u00e4re der K\u00f6nig niemals in der Lage gewesen, die Belohnung aufzubringen. \u00dcber 18 Trillionen Reisk\u00f6rner h\u00e4tte er daf\u00fcr sammeln m\u00fcssen, das sind ungef\u00e4hr 540 Milliarden Tonnen Reis \u2013 tausendmal so viel wie die Reisernte, die unser Planet im letzten Jahr hervorgebracht hat.<br \/>\nWie der Gebieter mit der klugen Forderung umging, ist nicht \u00fcberliefert. In manchen Versionen werden Weizenk\u00f6rner statt Reis gew\u00fcnscht. In einigen soll der K\u00f6nig durch das Spiel von seiner Melancholie befreit, in anderen von seinem Starrsinn geheilt werden. Die Legende bringt allerdings auf den Punkt, was den Kern des uralten Spiels ausmacht. Es ist nahezu unendlich komplex. W\u00e4hrend es nach dem ersten Zug beider Seiten noch \u00fcberschaubare 400 m\u00f6gliche Stellungen gibt, w\u00e4chst deren Anzahl nach zwei Z\u00fcgen bereits auf \u00fcber 72000. Und nach dem dritten Zug \u00fcbersteigt die Zahl der M\u00f6glichkeiten auf dem Brett endg\u00fcltig die menschliche Vorstellungskraft. In einer durchschnittlichen Schachpartie gibt es mehr M\u00f6glichkeiten als Atome im Weltall.<br \/>\nTrotz oder gerade wegen dieser unheimlichen Komplexit\u00e4t fasziniert das Schachspiel uns Menschen seit zwei Jahrtausenden.<a href=\"http:\/\/www.sv-zeppelin.de\/?attachment_id=17019\" rel=\"attachment wp-att-17019\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-17019\" src=\"http:\/\/www.sv-zeppelin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/lewis-chessman-1821173__340-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> Gerade erlebt es einen kleinen Boom bei jungen Leuten, und zwar ganz analog und ohne Bildschirm. Die amtierende Deutsche Meisterin Jana Schneider ist gerade mal 14 Jahre alt und kommt aus dem fr\u00e4nkischen Eu\u00dfenheim bei W\u00fcrzburg. Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang das zw\u00f6lfj\u00e4hrige Super-Talent Vinzent Keymer, der in K\u00fcrze die Gro\u00dfmeisternorm erf\u00fcllen wird. Er ist das Versprechen auf die Zukunft.<br \/>\nSchachgruppen an Schulen sind gut besucht, es gibt zertifizierte Schachschulen wie das D\u00fcrer-Gymnasium in N\u00fcrnberg und Lehrerfortbildungen zum Thema. In manchen Schulen ist Schach sogar Unterrichtsfach, in Bayern bisher allerdings nur in Modellversuchen.<br \/>\nMoment mal \u2013 dieses verkopfte, eher als unsexy geltende Spiel, bei dem man stundenlang vor karierten Brettern sitzt und sich den Kopf \u00fcber das Stellungsspiel seines Gegners zerbricht; dieses Spiel , das man mit Bibliotheken, muffigen Trainingsr\u00e4umen oder bestenfalls verrauchten <a href=\"http:\/\/www.sv-zeppelin.de\/?attachment_id=17017\" rel=\"attachment wp-att-17017\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-17017\" src=\"http:\/\/www.sv-zeppelin.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/the-strategy-1080536__340-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Kaminzimmern verbindet \u2013 dieses z\u00e4he und irgendwie auch als elit\u00e4r geltende Spiel soll auf einmal die Jugend begeistern?<br \/>\nJa. Und das liegt wohl an seinem prominenten Zugpferd. Denn Schach hat momentan einen Star, der nicht ganz unschuldig am pl\u00f6tzlichen Interesse der j\u00fcngeren Generation sein d\u00fcrfte. Magnus Carlsen, 26, Schachweltmeister aus Norwegen, beherrscht nicht nur die Finten und Finessen des Spiels auf Weltklasseniveau. Der junge Mann mit den markanten Gesichtsz\u00fcgen und dem Waschbrettbauch pr\u00e4sentiert sich auch als Model und hat damit das Image des verstaubten Nerd-Sports ordentlich aufpoliert. Es geh\u00f6rt nicht viel Vorstellungskraft dazu, was passiert, wenn ein deutsches Supertalent wie beispielsweise der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Vinzent Keymer die Rolle des Magnus Carlsen einnehmen sollte.<br \/>\nVor allem in den j\u00fcngeren Jahrg\u00e4ngen ist Schach momentan im Kommen, berichtet J\u00f6rg Schulz, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Deutschen Schachjugend. \u201c Wir haben vor allem Zuwachs bei den unter Zehn- bis Zw\u00f6lfj\u00e4hrigen.\u201c Das schl\u00e4gt sich zwar nicht direkt in der Statistik nieder \u2013 die Mitgliedszahlen der Landesverb\u00e4nde bewegen sich seit Jahren auf dem Niveau von etwa 27000 registrierten Kindern und Jugendlichen. Doch in Zeiten, wo andere Verb\u00e4nde und Vereine \u00fcber Nachwuchssorgen klagen, ist das schon ein Erfolg.<br \/>\n<strong>Mensch gegen Maschine<br \/>\n<\/strong>Zum ersten Mal besiegte ein Computerprogramm einen Schachweltmeister im Jahr 1996. Damals spielte Garri Kasparow in den USA gegen Deep Blue, einen Rechner von IBM. Kasparows digitaler Gegner schaffte es damals nur einmal zum Sieg, die restlichen Partien des Mensch-Maschine-Duells gingen an den Weltmeister. Trotzdem war die Sensation gro\u00df: Der dumme Rechner, der nur stupide Zahlenkombinationen abspult, kann gegen ein Genie wie Kasparow siegen.<br \/>\nEin Jahr sp\u00e4ter verlor Kasparow dann in einer Revanche gegen den inzwischen mit noch mehr Rechenkraft ausgestatteten Computer schon niederschmetternd. Auch Wladimir Kramnik, mehrmaliger Schachweltmeister, zog bei Duellen Anfang und Mitte der 2000er gegen das Programm Deep Fritz den K\u00fcrzeren. Zwar schaffte er einige Remis, aber dass mehrere Remis bereits als Erfolg galten, sagt einiges \u00fcber die Umkehr der Verh\u00e4ltnisse aus. Seitdem treten Schachgr\u00f6\u00dfen nur ungern gegen Computer an. Weltmeister Magnus Carlsen etwa lehnt dies kategorisch ab. Der allererste \u201eSchachautomat\u201c ist \u00fcbrigens schon deutlich \u00e4lter. Der \u201eT\u00fcrke\u201c, eine Puppe, die ihre Z\u00fcge mit der eigenen Hand ausf\u00fchrend den Kopf sch\u00fcttelte, wenn der Gegen\u00fcber einen unzul\u00e4ssigen Zug ausf\u00fchrte, sorgte im 18, Jahrhundert f\u00fcr Begeisterung und Verwunderung beim Publikum.<br \/>\nEin Fake, wie sich sp\u00e4ter herausstellte: In der Puppe war ein Schachmeister versteckt.<br \/>\nLohnt sich das Trainieren \u00fcberhaupt, wenn die schiere Rechenpower die Schachprogramme quasi unbesiegbar macht? Ja, man lernt, sich zu konzentrieren und seine Grenzen kennen. Wenn dann noch jemand seine eigenen Schl\u00fcsse zieht, befindet er\/sie sich auf dem richtigen Weg!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schach ist uralt, aber gerade bei jungen Leuten so beliebt wie selten zuvor. Denn Hobbyspieler wie Gro\u00dfmeister schulen mit seinen komplexen Z\u00fcgen ihr logisches Denkverm\u00f6gen. 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